Wegfliegen - Loslassen

16. Oktober 2019 – mein Wecker klingelt 2 Uhr nachts. Die letzte Nacht in meinem eigenen Bett ist vorüber, obwohl, was heißt hier Nacht, 2 Stunden, mehr waren‘s nicht. Sonja ein letztes Mal knuddeln und schon beginnt mein Abenteuer ins Ungewisse.
Am Flughafen in Berlin treffe ich meine reizende Reisebegleitung Leo. Zusammen geben wir als erstes unser Gepäck in die Hände des Flughafenpersonals und danach fordere ich mir noch eine Mahlzeit in Deutschland ein, denn nach einer halben Stunde einen 10kg schweren Rucksack tragen, braucht man schon mal einen kleinen Reboost.
Beim Abschied von Mama und Papa fließen noch ein paar dicke Tränen, aber schließlich müssen wir uns verabschieden und begeben uns auf den Weg zum Gate durch die Sicherheitskontrolle. Danach geht eigentlich alles ganz schnell: Auf dem Weg zum Flieger können wir unseren Eltern noch ein letztes Mal winken, aber schon verschwinden sie aus meinem Sichtfeld, als ich den Flieger betrete.
Gepäck verstauen, Schuhe ausziehen, Anschnallen, Sicherheitshinweise anhören, auf die Startbahn rollen, Abheben. Loslassen.
Tausend Gedanken kreiseln in meinem Kopf: War das wirklich die richtige Entscheidung? Wird das alles gut gehen? Was ist wenn es nicht klappt? Was ist wenn ich direkt wieder ausgewiesen werde? Was ist wenn ich was vergessen habe? Habe ich genug Pullis eingepackt? Oder zu viele? Was ist wenn es mir nicht gefällt? Was ist wenn ich zurückkomme? Was verpasse ich? 
Aber alles egal, es gibt jetzt kein zurück mehr und andernfalls für alles eine Lösung.
Darauf dann erstmal wieder was zu essen - ein Menü a la Onlinebestellung, das heißt für mich: Lasagne mit Rind und Pilzen. Klingt gut, schmeckt eher so semi.
Die Ausstattung im Flugzeug ist übrigens vergleichbar mit einem Urlaubsflieger nach beispielsweise Mallorca. Heißt harte Sitze, Beinfreiheit so lala, Entertainment zero. Aber das wusste ich ja. Glücklicherweise haben wir eine ganze Sitzreihe für uns, also machen wir uns bisschen lang, schauen noch einen verdammt schlechten Horrorfilm auf Netflix („Im hohen Gras“, nicht zu empfehlen) und schlummern schließlich weg. Leider nur für 4 h.
Nach einer gefühlten Ewigkeit landen wir endlich in Singapur. Dort kommen wir in den Genuss der asiatischen Küche und verbringen die Zeit in der Chill Lounge.
Zu unserem Anschlussflug nach Melbourne kann ich nicht viel sagen, ich hab nämlich schon vor dem Start gepennt.
In Melbourne geht dann wieder alles ganz schnell, Grenzkontrolle ohne Probleme und der Rucksack hat es auch geschafft. Angela holt uns ab, wir bekommen noch eine kleine Rundfahrt durch die Stadt bei Nacht und kommen schließlich im Hostel an.
Nachdem die Formalitäten geklärt sind, besichtigen wir unser Reich. Viel sehen konnten wir allerdings nicht, da unsere Mitbewohnerinnen schon schlafen. Also im Dunkeln und möglichst leise den Rucksack ausräumen, das Waschzeug suchen, den Weg ins Bett finden, dieses Beziehen und Duschen natürlich auch noch.
Überhaupt nicht müde liege ich also im Bett und bin einfach nicht bereit für dieses Abenteuer. Nach weiterem Grübeln und Zweifeln, wie ich denn jetzt aus der Nummer wieder rauskomme, schlafe ich endlich ein.

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