17. Dezember 2019

17. Dezember 2019 – Mein Tag beginnt 7:30 Uhr. Nach einem Kaffee erlebe ich einen Schock auf dem Klo: Die Spülung geht nicht. Liegt wohl daran, dass das Wasser aus einem Tank kommt. Dasselbe Wasser wir früh auch zum Gießen verwendet, der Tank ist also leer. Ich muss eine halbe Stunde warten bis genug Wasser zum Spülen da ist. Hoffentlich bleibt das eine Ausnahme…
Es geht raus in den Garten, um Unkraut zu jäten. Merke: Melonen sind auch Unkraut!
Da bin ich nun auf der anderen Seite der Welt und wühle unter der strahlenden Sonne im australischen Dreck.
Noch vor ein paar Monaten hätte ich mir wahrscheinlich noch Gedanken um meine Fingernägel gemacht. Noch vor ein paar Wochen hätte ich Angst vor giftigen Tieren gehabt. Jetzt bin ich unglaublich zufrieden mit meiner Arbeit.
Tianie erklärt uns, dass wir ihr Bescheid geben sollen, wenn wir eine Schlange entdecken. Schlangentöten ist in Australien zwar illegal, aber wenn sich eine von ihnen dein Grundstück als ihr Revier aussucht, hast du vermutlich weniger Mäuse in deinem Haus, lebst aber selbst auch etwas gefährlicher. Obwohl man nach einem Biss nur in den seltensten Fällen ein Gegengift bekommen würde. Tianie vergleicht einen Biss mit einer Erkältung: Schwache, alte oder kranke Menschen können von der Grippe sterben, genauso ist es mit dem Gift nach einem Biss.
Gegen 9:00 Uhr sind wir fertig und unsere Gastmutter verlässt das Haus, um in die 60km entfernte Stadt auf Arbeit zu fahren. Sie betreibt mit ihrer Schwester einen Friseursalon.
Wir putzen die Küche, waschen das Geschirr ab, wischen Unmengen an Mausekacke, toten Fliegen, Motten, Raupen und Spinnen weg, saugen das Haus, putzen das Bad, reinigen das Klo, hängen die Wäsche auf und nach einer Stunde wieder ab. Nach 3h sind wir fertig.
Ab 17:00 Uhr ist genug Wasser im Tank, um den Garten zu wässern.
18:00 Uhr kommt Tianie nach Hause. Gemeinsam bereiten wir das Essen für die Arbeiter vor.
19:00 Uhr fahren wir zu dem Feld, das aktuell bearbeitet wird.
Wir picknicken bei einbrechender Dunkelheit auf dem Feld mit den anderen Familienmitgliedern. Nach gerade mal einem Tag fühle ich mich, als wäre ich schon ewig hier. Es fühlt sich so richtig an mit dreckigen Hände, im Scheinwerferlicht eines riesigen Mähdreschers und mit einer fremden Familie unterm Sternenhimmel weit weg von zu Hause zu sitzen.
Locki, Tianies Sohn, nimmt uns noch eine Runde im Mähdrescher mit. Er erklärt uns wie das alles funktioniert, wo das Getreide eingesaugt, wo geschreddert und wo dann die Körner aufgesammelt werden. Seine Cousine Chanel, 17 Jahre, fährt seit einer Woche Traktor und sammelt die Körner ein, wenn Lockis Behälter voll ist.
So tuckern wir also eine kleine Weile durch die Nacht und fahren später völlig fasziniert zurück.
Wir beziehen einen anderen Raum im Haus, der kühler (und ohne Tiere) ist. Nach Schlafen ist uns allerdings noch nicht.
Es zieht uns in die Dunkelheit, wo wir ein paar Stunden in die Sterne gucken und uns bei jeder Sternschnuppe etwas wünschen.

Kommentare

  1. Hallo aus der Heimat, haben heute den letzten Schultag vor Weihnachten. War ganz schön stressig die letzte Zeit. Hoffe euer neues Domizil und die Beschäftigung dort sind von einer gewissen Dauer. Werdet ihr den 24. dort verbringen? Bis bald sombki

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