Wie man keinen Job in Melbourne findet


25. Februar 2020 – Heute starten wir direkt mit der Jobsuche. Wir marschieren von Cafe zu Supermarkt, von Supermarkt zu Restaurant und von Restaurant zu Cafe. Wir erklären, dass wir auf der Suche nach einem Job sind und jedes Mal erhalten wir eine Emailadresse mit der Bitte, unseren Lebenslauf dahin zu mailen. Also sitzen wir nach 2h bei Menzels in der Küche und verschicken Bewerbungen an über 10 Adressen.
Aber das ist noch nicht genug. Wir fahren nochmal ins CBD, um Bewerbungen auszudrucken und diese direkt in Papierform austeilen zu können.
Highlight of the day ist das bevorstehende Miley Cyrus Konzert, welches auf dem Gelände der Formel 1 stattfinden soll. Wir haben Tickets ergattert, ein Traum geht in Erfüllung!


26. Februar 2020 – Leo hat heute ein Probearbeiten für einen Job in einem Cafe, für den sie sich schon in Esperance beworben hat. Zusammen navgieren wir uns durch die Stadt. Dann warte ich im Auto und suche nebenher nach Jobs.
Das Wetter ist wie meine Stimmung: trostlos und deprimierend. Niemand hat sich bis jetzt zurückgemeldet. Was ist, wenn wir keinen Job finden? Wenn wir das Auto nicht verkaufen können? Werden unsere Pläne platzen?
Gedankenverloren scrolle ich durch die Angebote. Ein Job sticht mir ins Auge: „Telefonbücher ausliefern – verdiene bis zu $800 am Tag!“ Kurzerhand schreibe ich eine Nachricht dort hin, stelle uns vor. Sofort kommt eine Antwort. Als Leo von ihrem Probearbeiten wiederkommt, fahren wir zur genannten Adresse. Dann geht alles ganz schnell. Richard erklärt uns unsere künftige Aufgabe: In unser Auto laden wir so viele Telefonbücher wie möglich, von ihm erhalten wir eine Karte von einem Stadtteil, den wir mit Büchern beliefern müssen, dann fahren wir dort hin, schalten unseren GPS Tracker an und stecken in jeden Briefkasten ein Buch. Ganz easy. Pro Buch  bekommen wir $0.28. Natürlich gibt es ein paar Leute, die kein Buch möchten und so schlau waren, dies dem Konzern zu melden. Auf einer mehrseitigen Liste stehen also die ganzen Haushälte, die wir weglassen müssen. Andernfalls drohen uns hohe Strafen. Gesagt, getan.
Nach einer extrem langsamen Fahrt mit unserem komplett vollgepackten Caddy, kommen wir in unserem Stadtteil an. Nach den ersten Briefkästen fällt uns auf, dass in einigen schon ein Buch drin ist. Ich rufe Richard an. Der erklärt mir dann, dass wir einige Straßen zu fürh gehalten haben und dieser Stadtteil schon von einem anderen Team beliefert wurde. Also müssen wir die ganzen Bücher wieder aus den Kästen kratzen und weiterfahren.
Schon sind wir ein bisschen angekratzt, dazu kommt das miese Wetter und die Schlepperei. Nach der ersten Straße habe ich keine Lust mehr und frage mich, warum wir uns das antun. Dann sehe ich nur das vollgepackte Auto und denke daran, dass wir heute wieder darin schlafen müssen. Na das wird kuschelig.
Nach ein paar Stunden haben wir ein System entwickelt: Leo geht eine Straße hin und zurück, ich tue dasselbe auf der Parallelstraße. Wir laden Bücher in unsere Rucksäcke, in einen Beutel und tragen zusätzlich noch einen Packen in der Hand. So vermeiden wir das ständige Zurücklaufen zum Auto.
Völlig fertig fallen wir abends ins Auto. Die Arbeit nehmen wir sogar mit ins Bett. Dieses teilen wir nämlich mit noch über 600 Telefonbüchern. Wir schlafen mit der Hoffnung ein, noch einen angenehmeren Job zu finden.


Einer unserer Belieferungsbereiche


Eine Seite der Liste mit Leuten, die kein Buch wollen


27. Februar 2020 – Wir verteilen weiterhin Telefonbücher. Keine Antwort von den Cafes, Restaurants oder Supermärkten.


28. Februar 2020 – Auch heute quälen wir uns wieder aus dem Bett, um weiter Bücher auszuliefern. Wir laufen jeden Tag um die 12 km mit mehr als 30 kg Gepäck. Immernoch keine Reaktion auf unsere Bewerbungen. So langsam verlieren wir die Hoffnung auf einen anderen Job, aber wir kämpfen weiter, wollen die Telefonbüchersache nur als Übergangslösung sehen.






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