Seit fast 3 Monaten bin ich jetzt wieder zu Hause. Seit langem nehme ich mir vor den Blog zu beenden.
Irgendwie war dann viel los, irgendwie auch nicht, irgendwie konnte ich mich einfach nicht dazu aufraffen. Vielleicht wollte ich das Ganze nicht so schnell abschließen.
Seit fast 3 Monaten schlafe ich wieder in meinem eigenen Bett. Gehe jeden Tag duschen. Meine Sachen sind wieder gebügelt und riechen nach Waschmittel. Ich genieße den Komfort, den mir mein zu Hause bietet. Die Nähe meiner Familie.
Vor fast 3 Monaten bin ich in Deutschland angekommen. Wenn auch erstmal nur physisch.
Mein Kopf ist im Gegensatz dazu manchmal noch sehr durcheinander. Manchmal gibt es Situationen, in denen ich bemerke, dass ich wirklich wieder hier bin und dann frage ich mich „Upps, wie ist das denn jetzt passiert?“ In anderen Situationen kann ich mir einfach nicht vorstellen, dass ich 5 Monate weg war. Dann erscheint mir Australien und unsere Reise als ein Traum. Ich war doch nicht wirklich weg, oder? Wenn ich daran denke, wie mein Papa mich abgeholt hat, wie wir nach Hause gefahren sind, wie es war als ich meine Mama überrascht habe, wie es war mein zu Hause wieder zu riechen und ins eigene Bett zu steigen – dann erscheint mir das unheimlich weit weg und unreal. Irgendwie habe ich auf eine Art Klick gewartet, aber ich warte immer noch.
Mittlerweile habe ich mich wieder gut hier eingelebt. Trotz Corona die meisten meiner Familie getroffen, meine Freunde wieder gesehen und sogar meine liebe Tutorin. Was mich alle irgendwo fragen, ist: „Und hast du dich verändert?“, „Hat Australien dich verändert?“, „Hat es dir was gebracht?“ oder „Was hast du dir positives mitgenommen?“
Darüber muss ich dann meistens nachdenken, eine eindeutige Antwort gibt es darauf wahrscheinlich auch nicht. Was ich dann sage? Jedenfalls nicht, dass es mich nicht mehr stört mit dreckigen Füßen ins Bett zu gehen oder dass ich mich nicht vor mir selber ekle, wenn ich ein paar Tage nicht geduscht habe. Die Angst vor Spinnen ist größtenteils verschwunden (die Betonung liegt auf größtenteils, ich will mich ja nicht übernehmen). Aber das alles ist wahrscheinlich nicht unbedingt eine positive Veränderung, wie sie alle erwarten, sondern zeigt eher woran ich mich gewöhnt habe.
Ich bin auch nicht mit der Intention da runter gegangen, mich zu verändern oder weil es mir was bringen soll. Ich bin nach Australien gegangen, um die kleinen Dinge zu schätzen, um mich herauszufordern und um andere Menschen kennen zu lernen.
Ich habe die Sonne aufgehen und ins Meer fallen sehen.
Ich habe den Mond beobachtet, wie er aus dem Wasser steigt und wieder darin versinkt.
Ich habe an den entlegensten Orten gebadet und geschlafen.
Ich habe stundenlang in die Sterne geschaut, nur um immer wieder fasziniert davon zu sein.
Vor allem habe ich so viel über mich selber gelernt.
Australien ist für mich das Land der Extreme: Extreme Hitze, extremer Wind, extrem freundliche Menschen, extreme Trockenheit, extrem viele Fliegen.
Australien hat mich herausgefordert, mich über meinen Schatten springen lassen, hat mir selbst meinen Mut und meine Selbstständigkeit gezeigt.
Ich hatte Angst vor dem Gedanken allein zu sein, konnte mir nicht vorstellen ohne meine Familie oder Freunde als sicheren Halt zu leben. Jetzt wo ich es gemacht habe, bin ich beeindruckt wie schnell man sich daran gewöhnt, wie gut es funktioniert und wie hilfsbereit fremde Menschen sind.
Natürlich lief nicht immer alles perfekt, aber ganz ehrlich, was läuft schon perfekt. Ich, als Perfektionist habe immer das Streben danach und gerade das hat es mir und vor allem Leo manchmal schwer gemacht. Aber jetzt weiß ich, was ich noch lernen sollte: Gelassenheit. Und Einsicht ist ja bekanntlich der erste Weg zur Besserung. Trotzdem können wir jetzt stolz sein und sagen, dass wir die Sache gemeinsam geschafft haben und sich unsere Wege nach der Reise nicht getrennt haben, sondern wir weiterhin noch Kontakt haben.
Also ums mal zusammenzufassen: Zwischen Wüste und Meer, mit Salz auf der Haut und Sand zwischen den Zehen, hätte ich nicht zufriedener sein können.
Doch ganz egal wie glücklich ich in Australien war, am glücklichsten bin ich, wenn meine Familie und meine Freunde in der Nähe sind. Seit ich hier bin, haben sich ganz neue Prioritäten für mich ergeben: Menschen, die geben und denen ich etwas zurückgeben will. Menschen, die ich liebe und ohne die ich nicht leben möchte. Ein kleiner Teil von mir ist in Australien geblieben. Diesen kleinen Teil schaffe ich nicht zurückzuholen und ich will ihn auch nicht zurückholen. Denn er erinnert mich an eine unglaubliche Zeit, unglaubliche Erfahrungen und daran offen für Neues zu sein.
Ich danke Euch fürs Lesen und Kommentare schreiben. Es ist ein schönes Gefühl, wenn so viele Leute an meiner Reise interessiert sind. Bestimmt schreibe ich bei meiner Nächsten wieder einen Blog, also in diesem Sinne – Vogelspinne!
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